Baha'i-Religion

Die Bahá'í-Religion ist eine mehr als 150 Jahre alte Weltreligion, mit ihrem Ursprung im Iran. Der Stifter des Glaubens ist Bahá'u'lláh, der 1817 in Núr bei Tehran geboren wurde. In seiner Jugend gab es bereits Schulen, die davon überzeugt waren, daß zu jener Zeit die mystische Gestalt des Islam, der 12. Imam, wiederkehren und eine neue Sendung Gottes den Menschen unterbreiten würde. 1844 erklärte dann schließlich der Báb, was ins Deutsche übersetzt "Das Tor" bedeutet, ein von Gott gesandter Prophet und Wegbereiter einer neuen, größeren Religon zu sein.

So erklärte sich 1863 Bahá'u'lláh als der vom Báb verheißene Gottesffenbarer, zu dem sich dann nicht nur die damaligen Bábis, sondern bald auch viele andere Menschen bekannten.

Nach dem Tode Bahá'u'lláhs bestimmte er testamentarisch seinen Sohn 'Abdu'l-Bahá als den rechtmäßigen Ausleger Seiner Schriften und als Oberhaupt des Glaubens. 'Abdu'l-Bahá legte seinerseits die Grundsteine zur administrativen Ordnung des Bahá'í-Glaubens. So gibt es keinen Klerus oder Oberhäupter, sondern sogenannte "Geistige Räte" auf lokaler und nationaler Ebene. Diese Räte bestehen aus neun Personen und werden durch demokratische Wahlen von den Gemeindemitgliedern gewählt. Darüber hinaus gibt es eine Institution für internationale Belange, sozusagen ein Internationaler Geistiger Rat, aber "Universales Haus der Gerechtigkeit" genannt, ebenfalls bestehend aus neun demokratisch gewählten Mitgliedern, mit Sitz in Haifa im Heiligen Land.

Heute ist die Bahá'í-Religion nach dem Christentum die geographisch am weitesten verbreitete Religion (Quelle: Encyclopedia Britannica) und versteht sich als die jüngste der bestehenden Weltreligionen.


Lehren

Die Bahá'ís glauben an nur einen Gott, an den selben, an den auch Juden, Christen und Muslime glauben. So erkennen die Bahá'ís auch die vorhergegangenen Weltreligionen an, da nach Auffassung der Bahá'í alle Hochreligionen ihrem Wesenskern nach gleich sind und von ein und dem selben Gott kommen. Unterscheiden tun sich die Religionen nur darin, daß sie zu unterschiedlichen Zeiten zu uns gesandt wurden und den jeweiligen Problemen und Nöten ihrer Epoche angepaßt sind.

'Abdu'l-Bahá, der Sohn des Religionsstifters Bahá'u'lláh, schreibt dazu: "Am Anfang stand der Baum in seiner ganzen Schönheit, bedeckt mit Blüten und Früchten; endlich aber wurde er alt, trug keine Früchte mehr und verdorrte und moderte. Darum pflanzte der wahre Gärtner wiederum einen unvergleichlichen jungen Baum derselben Gattung und Art, der Tag für Tag wächst und sich entfaltet, im göttlichen Garten weithin Schatten spendet und köstliche Früchte hervorbringt. Ebenso ist es mit den Religionen: Im Laufe der Zeiten verändern sich ihre ursprünglichen Grundsätze, die Wahrheit der Religion Gottes geht ganz verloren und ihr Geist entflieht; Irrlehren treten auf, und sie wird zu einem Körper ohne Seele. Dies ist der Grund für ihre Erneuerung."

'Abdu'l-Bahá zeigt hier auf, daß langsam die alten Religionen veralten. Zwar sind sie in ihrem Wesenskern gleich, denn sie werden von demselben Gott (im Zitat "der wahre Gärtener") gesandt und haben die gleiche Grundlage; dennoch ist dadurch, daß sich die Zeiten wandeln, der Mensch reifer wird, mehr verstehen kann und ein allumfassenderes Wissen erwirbt, die Zeit für einen neuen Gottesoffenbarer reif und gekommen.

Ein wesentliches Prinzip der Bahá'ís ist das Streben nach Weltfrieden, der natürlich nicht auf Unterdrückung, sondern auf Liebe, Toleranz und Akzeptanz Andersartiger basiert. Bahá'u'lláh schreibt, daß eine weltweite Versammlung einberufen werden wird, an der sich alle Herrscher dieser Erde beteiligen und solche Mittel und Wege finden, die dem Weltfrieden als Grundstein dienen. "Sollte ein König seine Waffen gegen einen anderen erheben, so müssen sich alle vereint erheben und ihn daran hindern. (...) Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt. Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger." (Bahá'u'lláh)

Eine nützliche Stütze zur Verständigung der Völker ist  die Errichtung einer Welthilfssprache, die notwendigerweise neben der Muttersprache erlernt werden sollte.

Auch die Frau wird maßgeblich zur Errichtung des Weltfriedens beitragen, denn die Mutter wird sich weigern, ihre Söhne, die sie unter Schmerzen geboren hat, auf dem Schlachtfeld sterben zu lassen.

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ebenfalls eines der Grundprinzipien in der Bahá'í-Religion. 'Abdu'l-Bahá sagt, daß das Menschengeschlecht wie ein Vogel mit zwei Schwingen ist, wobei der eine Flügel das weibliche, der andere das männliche Geschlecht darstellt. Sind nun die beiden Flügel nicht gleichstark und gleicher Maßen entwickelt, so kann der Vogel nicht fliegen. Ist jedoch völlige Gleichberechtigung gewährleistet, so kann sich der Vogel in die höchsten Höhen emporschwingen.

Ein weiterer zentraler Punkt in der Bahá'í-Religion ist die selbstständige Suche nach Wahrheit. Jeder Mensch soll für sich selbst den Weg zur Religion finden, selbst durch eigenes Lesen in den Schriften die wahre Religion finden. Dies ist auch der Grund, weshalb es in der Bahá'í-Religion weder Priestertum noch andersartige Oberhäupter gibt, da jeder Mensch für sich selbst verantwortlich ist und nicht über den Umweg eines Dritten die Wahrheit aus den Schriften erfahren und ausgelegt bekommen soll.